Wie bewerten Sie eigentlich die Qualität einer Führungskraft? Das scheint eine schwierige Frage und viele Bücher, selbsternannte Experten zum Thema aber auch grossangelegte Untersuchungen beschäftigen sich damit: Mit durchaus nicht immer einheitlichen Antworten! 

Robert Sutton, Professor für Organisations- und Arbeitspsychologie an der Stanford Graduate School of Business gibt in seinem Buch «Good Boss, Bad Boss» seinen Lesern – neben vielen anderen Impulsen – einen faszinierend einfachen Gedanken mit auf den Weg: «Gute Chefs wissen, wie es sich anfühlt, für sie zu arbeiten.»

Wie bitte – warum denn das?

Je höher die Karrierestufe desto weniger interessiert an anderen
Mehrere sozialpsychologische Studien weisen tatsächlich nach, dass – je mehr Macht jemand hat, desto weniger er/sie sich für andere interessiert. Deshalb, so Sutton, sei es für Führungskräfte absolut zentral sich ihrer Wirkung auf andere bewusst zu sein. 
Die eigene Antwort auf die Frage: «Wie fühlt es sich an, unter mir zu arbeiten?», lädt uns zum Innehalten und Reflektieren ein. Natürlich erreicht diese Auseinandersetzung mit uns selbst nicht die Güte einer echten Befragung der wirklich Betroffenen, also der Mitarbeitenden. Aber es ist viel besser, als davon auszugehen, dass schon alles passt, solange niemand etwas anderes sagt. 
 

Sutton regt an, sich in einem ersten Schritt anhand der drei folgenden Fragen selber zu bewerten:

1. Wie viel rede ich im Vergleich zu meinen Angestellten? 

Redezeit ist ein Zeichen von senden statt zuhören. Oft ist die Redezeit von Führungskräften proportional zu ihrem Machtstatus, also der Hierarchie. Leider wird Sprechen oft mit Führen verwechselt. Falsch, wie nicht nur Sutton festhält. Vergleichen Sie deshalb einfach mal Ihre Redezeit mit der Redezeit der anderen. 

2. Wie oft ignorieren, unterbrechen Sie Ihre Angestellten oder fallen ihnen ins Wort, wenn sie versuchen, etwas zu sagen? 

Natürlich ist es richtig und sogar wichtig, Personen im Meeting zu unterbrechen, wenn ihr Beitrag nicht zur Sache gehört oder inhaltlich unzutreffend ist. Da ist es die Aufgabe der Chefin, die Leute auf der Spur zu halten. Doch wenn Sie das ständig machen, ist das eine Machtdemonstration und Hinweis darauf, dass Sie nicht zuhören und sich nicht dafür interessieren, die Beiträge und Empfindungen der anderen zu verstehen. 

3. Wie oft machen Sie Aussagen, und wie oft stellen Sie Fragen? 

Schlechte Chefs haben oft «starke Meinungen», so Sutton. Sie halten sich für die erfahrenste und klügste Person im Raum. Vielleicht stimmt das sogar. Aber, ist das auch weise?
Erstens kennen Sie ja Ihre eigene Meinung und bekommen keine neuen Erkenntnisse, wenn Sie sich selber hören (es sei denn, Sie sind ein Sprechdenker und wissen erst was Sie denken, wenn Sie sich sprechen hören). Zweitens geht es oft darum aus der Meinungsvielfalt heraus eine umfassende Perspektive für weise Entscheidungen zu erhalten. Und drittens bedeutet Führung auch die Ermutigung der Menschen um Sie herum, selber zu denken, sich einzubringen und Verantwortung zu übernehmen.

Also: Je mehr Sie reden, desto weniger hören Sie zu, und desto weniger kriegen Sie mit, wie es um die Mitarbeitenden steht, was sie beschäftigt und was sie denken. 
Sutton beschreibt dazu den Unterschied zwischen klug und weise wie folgt: Weise heisst die Fähigkeit und den Mut zu haben, etwas zu machen basierend auf dem, was wir wissen, aber auch die Demut, an dem zu zweifeln, was wir wissen. 

Wenn Sie also ein guter Boss sein wollen, hören Sie erst mal zu. Oder wissen Sie etwa schon, wie es sich anfühlt, für Sie zu arbeiten? Wenn Sie über sich und das, was Sie schon an sich kennen hinauswachsen wollen, schauen Sie doch mal bei mir für ein Management Performance Coaching rein. 

Ich wünsche Ihnen viele spannende Erkenntnisse, neue Ideen sowie die Mitarbeitenden, die Sie sich wünschen.